Andelfinger Zeitung - 8. Juni 2009

Vom Dunkel zum Licht: Haydns „Stabat Mater“ in Rheinau

Passend zum Gedenkjahr des 200. Todestags von Joseph Haydn brachten Chor und Orchester des Bach Collegiums Zürich unter der Leitung von Bernhard Hunziker das ergreifende „Stabat Mater dolorosa“ Haydns in der Klosterkirche Rheinau zur Aufführung. Umrahmt wurde das Werk von je einem Satz Johann Sebastian Bachs

: ein verhaltenes „Kyrie Eleison“ zu Beginn und ein himmelstrebendes „Sanctus“ in strahlen-dem G-Dur zum Abschluss, um dem Chor noch etwas zusätzlich die Gelegenheit zu bieten, sich entfalten zu können.

Die Vertonung des mittelalterlichen, zehnstrophi-gen Passionstextes „zum Fest der sieben Schmerzen der gesegneten Jungfrau Maria“ ist ein relativ frühes Werk Haydns, das er der Über-lieferung nach zum Dank für eine überstandene schwere Krankheit komponiert haben soll. Schon zu Lebzeiten des Komponisten wurde es verbrei-tet mit grossem Erfolg aufgeführt, was ihm den Durchbruch zu europäischem Bekanntheitsgrad verschaffte. Er selber bezeichnete es wiederholt als eines seiner Lieblingsstücke. Der lateinische Text beschreibt in bewegenden Bildern den Schmerz Marias angesichts ihres am Kreuz sterbenden Sohnes. Der gepflegt geschulte, stimmlich homogene Chor, ein aufmerksames Kammerensemble mit authentischem Instrumen-tarium und vier vorzügliche Gesangssolisten ver-halfen dem Werk zu einer anrührenden Auffüh-rung. Dabei setzte der Dirigent weniger auf  dra-matisch bildliche Kontraste, sondern eher auf eine stimmige, ausgewogene Interpretation mit flüssigen, ausgeglichenen Tempi und wohldosiert eingesetzten dynamischen Glanzlichtern.

Die Sopranistin Marni Schwonberg brillierte mit der Leichtigkeit lupenreiner Koloraturen und ihrem geschmeidigen Timbre.  Zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig war es, die Altpartien nicht von einer blutvollen, warmen Frauenstimme zu hören. Doch Alex Potter, Altus, erfüllte seine be-rührenden Klagearien mit innerer Glut und Be-seeltheit. Der Tenor Andreas Weller stand den beiden nicht nach was Ausdruck, Beweglichkeit und Intonationsreinheit betraf. Dem Bassisten Samuel Zünd fiel die eher undankbare Aufgabe zu, neben gelegentlichen Einwürfen in Ensem-bles nur zwei kurze, schnelle Soli, Bilder der Geisselung und des Höllenfeuers, gestalten zu können, die einzigen dramatisch bewegten Sätze der ganzen Sequenz. Er tat dies souverän und überzeugend. Es fällt schwer, auf einzelne Details einzugehen, barg doch jede Strophe eine versteckte kostbare Perle in sich, die liebevoll gehoben wurde. Einen Höhepunkt des Chors bildete das innig schlichte „Eia mater, fons amoris“ (Oh Mutter, Quell der Liebe), das mit grosser Reinheit, Klangschönheit und diffe-renzierter Artikulation vorgetragen wurde. Ein-drücklich und bewegend war die grosse Schluss-steigerung, wo sich nach tiefster Todestrauer und einer noch etwas erdgebundenen Chorfuge die helle Sopranstimme gleich einer jubelnden Lerche oder wie der Phönix aus der Asche in die Glückseligkeit des  himmlischen Paradieses erhob ---
„Per Aspera ad Astra“ ---- vom Dunkel zum Licht.   

Gisela Zweifel-Fehlmann
Andelfinger Zeitung, 8. Juni 2009

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