Südkurier - 19. März 2013

Beuron - Mehr als 500 Zuhörer erleben das Bach-Collegium Zürich

"Die Sprache des Evangeliums, ummalt mit der Sprache der Musik, gesprochen auf höchstem Niveau vom Bach-Collegium Zürich"

2013-03-19-suedkurier

Die Mitglieder des Bach-Collegiums Zürich begeisterten mit ihrer Interpretation der Johannes-Passion in der Beuroner Klosterkirche mehr als 500 Zuhörer.

Sagt uns die Bibel heute noch etwas? Johann Sebastian Bach hat den Text der Leidensgeschichte Jesu mit einem eindringlichen musikalischen Gewand versehen. Die Sprache des Evangeliums, ummalt mit der Sprache der Musik, gesprochen auf höchstem Niveau vom Bach-Collegium Zürich, hat auch rund 2000 Jahre nach den Geschehnissen um den Tod Jesu in Jerusalem nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren. Da ist der jüdische Wanderprediger Jesus, in dem die Christen den eingeborenen Sohn Gottes sehen, der vom religiösen Establishment und unterstützt vom Straßenpöbel an die römische Besatzungsmacht ausgeliefert wird. Er ist den Theologen seiner Zeit ein Dorn im Auge, der beseitigt werden muss. Diese Arbeit überlassen sie der für ihre Grausamkeit berüchtigten römischen Soldateska.

Die Verhaftung Jesu und seine erste Misshandlung vor dem Hohen Priester schildert Bach in einer ruhigen musikalischen Sprache, gezeichnet von der Ehrfurcht vor dem Opfer. Nur einmal wird die Melodie dramatisch. Dann nämlich, als es um den Verrat des Petrus geht. Petrus, der als einziger seinen Herrn mit dem Schwert verteidigt hatte, leugnete nun im Angesicht der Wachmannschaften des Hohen Priesters drei Mal, diesen Jesus überhaupt zu kennen.

Doch Bach belässt es nicht dabei, den Bibeltext musikalisch durch die Solisten zu umschreiben. Immer wieder reflektiert der Chor die beschriebenen Ereignisse mit meditativen Texten aus Sicht des zuhörenden Gläubigen.

Die Musik kennzeichnet den Zwiespalt der Passionsgeschichte, der die Christen durch alle Jahrhunderte begleitet. Der, der aus ihrer Sicht gottgleich ist, steht vor einem menschlichen Richter und wird von einem heidnischen Richter, einem Römer, zum Tode verurteilt. Soldaten verhöhnen und foltern ihn und er lässt alles geschehen. Es geht um Leiden, Sterben und Tod. Drei Begriffe, mit denen sich niemand auseinandersetzen mag. Und nun kommen Christen auf die Idee, die Menschen mit diesen drei Begriffen zu konfrontieren.

Die Ambivalenz zwischen Sieg und Niederlage macht die Musik Bachs so eindringlich. Denn der Karfreitag ist nicht der Schlusspunkt der christlichen Botschaft. Die österliche Botschaft ist klar – das Leben hat den Tod besiegt. Von diesem Sieg ist das Bach-Werk aber noch entfernt. Dominant ist die Trauer über den Tod. Doch selbst in diesem schwarzen Schatten, der vermeintlichen Niederlage des Karfreitags, ist schon der Keim für die Hoffnung auf den Ostermorgen gelegt. In seinem Schlusssatz singt der Chor im 40. Choral: „Herr Jesu Christ, erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich.“

Südkurier - 19.03.2013

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