NZZ - 20. März 2006

Unverkrampft - Das Bach-Collegium Zürich mit Bachs Matthäuspassion

Dass Chöre und Instrumentalgruppierungen sich mit Haut und Haaren und nicht zuletzt mit ihrem Namen dem Schaffen des grossen Bach verschreiben, hat hier und anderswo Tradition. Mit der Gründung des Bach-Collegiums Zürich ist im Bach-Jahr 2000 ein weiterer Klangkörper hinzugekommen, der sich voll und ganz der Musik des Leipziger Thomaskantors verpflichtet hat.

Dabei hat sich das vom Sänger Bernhard Hunziker geleitete Vokal- und Instrumentalensemble langsam, aber stetig an die Gipfelwerke herangetastet. Die ersten Jahre gehörten - kulminierend in einer Aufführung des Weihnachtsoratoriums - der Auseinandersetzung mit dem Kantatenwerk. Es folgten Aufführungen der h-Moll-Messe und der Johannespassion, bevor man sich nun an das Opus summum der protestantischen Kirchenmusik, an die Matthäuspassion, heranwagte.

Mit den ausladenden Dimensionen und der stilistischen Vielfalt des Werks kamen die je rund vier Dutzend Sänger und Instrumentalisten problemlos zurecht. Sie liessen sich auch nicht irritieren von den akustisch schwierigen Bedingungen des Kirchenraums. Vielmehr gelang es Hunziker im Verlauf der Aufführung zusehends, diesen für seine Zwecke zu nutzen und den zu Beginn markierten gottesdienstlichen Charakter des Werks kontinuierlich um dessen rhetorisch-dramatische Züge zu erweitern. So gewannen die Turbae, die Chöre des Volks, zunehmend an Plastizität und Ausdruck und profitierten auch die Choräle von einem wachsenden Differenzierungsvermögen. Den stilistischen Ansatz des Ensembles möchte man als unverkrampft den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis folgend beschreiben. Die Doppelchörigkeit erschien streng durchgehalten, die Artikulation sauber und scharf, derweil das verwendete Instrumentarium moderne Silberflöten und Streichinstrumente so gut wie Laute und Gambe enthielt. Ein gangbarer Weg, der Alt und Neu, historisierenden Purismus und eine gewachsene Oratorien-Tradition, auf eine undogmatische Art und Weise fruchtbar miteinander verbindet. Auch mit der Auswahl der Vokalsolisten bewies Hunziker eine durchaus glückliche Hand. Holger Markus gab einen intensiv gestaltenden Evangelisten, Georg Gädker einen jugendlichen Jesus, und Jeannette Bühler, Anna Haase und René Koch erfüllten ihre Arien und Rezitative mit viel Ausdruck. Nach dreieinhalbstündiger Aufführung erschien die Passionszeit musikalisch aufs Schönste eingeläutet.

NZZ (Ch. B.) vom 20.03.2006
Samstag, 18. März 2006, Grossmünster Zürich

Bach Collegium Zürich
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