Südkurier - 18. September 2007

Seelenkur, Atemluft und Speise

Ein bewegender Moment vor dem Konzert am Sonntagabend in der Schlosskirche: das Kreuz in Sonnenlicht getaucht, dazu feierliches Geläut. Und dann die festliche Pracht der Musik. Mit elegantem Dirigierstil bringt Kantor Bernhard Hunziker mit dem Chor des Bach Collegiums Zürich und dem Ensemble "La Partita" Werke von Johann Sebastian Bach zur Aufführung

: das viersätzige "Magnificat in D-Dur", das Brandenburgische Konzert Nr. 1 und die glanzvolle Krönungsmesse von Mozart. Nach zunächst zaghaftem Auftakt kommen die Elemente Freudenmotiv, lebendige Figurationen, jubelnde akkordische Passagen nicht gleich so harmonisch und überzeugend und auch nicht immer in Übereinstimmung mit dem Orchester. Bedauerlicherweise werden die Sopranstimmen gelegentlich vor allem von den sonst sehr strahlenden Trompeten zugedeckt. Doch dominiert hier die sensibel herausgearbeitete, seelenvolle Ausgestaltung.

Mit rhythmischer Kraft besingt der Chor das "Omnes generationes", in dem alle Stimmen frisch herbeiströmen. Hier formieren sich die Männer geerdet, die Frauen schwingen sich jubilierend darüber. In temperamentvoller Erregtheit erklingen die Worte "fecit potentiam" wie Schläge, wo jede Chorstimme das "dispersit" nacheinander vereinzelt singt. Silberheller Solo-Sopran verzaubert in "Suscepit Israel" in empfindsamer Gemeinsamkeit mit der Altsolistin. Obwohl stimmlich scheinbar ausgewogen, sind die forschen Männerstimmen meist überlegen. Ein weich gemaltes Klangbild ist das Alt/Tenor-Duett "Et misericordia". Vielleicht weil etwas zu langsam, kommt das abschließende Gloria, dreifach gerufen, anfangs nicht so recht in Schwung, steigert sich aber schließlich zu einem jubelnden Amen. Nach anfänglicher Unsicherheit fängt sich die Sopranistin Karin Stübi wieder und bezaubert durch weiches Timbre und schimmernde Höhe. Überraschend voll und kräftig singt sie ihre Soli in der Krönungsmesse. Mit geschmeidigem Charme, eindringlicher Intensität und dynamischer Spannweite begeistert der Tenorsolist Valentin J. Gloor. Hervorragend besetzt ist auch der Alt-Part mit Roswitha Müller. Ihre warme, volltönende Stimme und edler Gesang ist ebenfalls ein Glanzpunkt in diesem Konzert. Bariton Michael Raschle überzeugt im Bass-Part bei wendiger Stimmführung durch fundierte Tiefe und kraftvolle Höhe. Trotz teilweise nicht ganz einheitlichem Tempo, ist "La Partita" ein freudig musizierendes, empfindsames Ensemble, das im Brandenburgischen Konzert Nr. 1 mit Klangfülle und Vitalität beeindruckt. Federnde Rhythmik und einprägsame Melodik nimmt im ersten Satz gefangen. Eine von zarten Ornamenten durchzogene, fugenartig zwischen Oboe, Solovioline und den Bassstimmen wechselnde Gesangslinie bestimmt den eleganten Schwung im Adagio. Das anschließende Allegro überrascht durch mühelosen Tempowechsel. Angenehm wiegend ist das Menuetto ausmusiziert, das Trio I von lebhaften Akzenten durchsetzt. Im feierlich anmutenden Trio II bei fließender Geschlossenheit bestechen vor allem die virtuos geblasenen Hörner und Oboen.

Strahlender Höhepunkt des Konzerts ist die Krönungsmesse von Mozart. Hunziker nimmt das Kyrie in bedächtigem Tempo und weniger wuchtig, was im ersten Moment etwas schwerfällig wirkt, aber durch affektgeladene Passagen auflebt. Von mitreißender Frische ist das präzise und geschlossen aufstrebende Gloria und ein einziger Jubelgesang. Im Credo zeigt der Chor seine Stärke, was Dynamik und Sensibilität angeht. Wogend fließt das breit ausgelegte "Sanctus" mit strahlendem "Hosanna". Wunderbar schwebend erklingt das Benedictus mit innig ineinander fließenden Soli-Stimmen, das vom Seligkeit verströmenden "Agnus Dei" noch übertroffen wird, an dessen Ende exaltierte Freude erschallt. Erfüllt von der Musik, möchte man hier Herman Hesse zitieren: "Das war mir Seelenkur, Atemluft und Speise, Steigerung und Erhebung des Lebensgefühls."

Elfi Braschel
Südkurier, 18.09.2007
Bettagskonzert, 16. September 2007, Friedrichshafen

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