Zug Kultur - 21. März 2014

Die «Passion» ist sein Schicksalswerk

Interview mit dem Künstlerischen Leiter, Bernhard Hunziker.

2014-04-21-zug-kulturBaar – Mitte April führt das Bach Collegium Zürich (BCZ) in der Pfarrkirche St. Martin in Baar die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach auf. Bernhard Hunziker ist der Leiter des BCZ, das ansonsten hauptsächlich im Zürcher Grossmünster auftritt. Er unterrichtet als Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste. 2010 folgte er dem Ruf für eine Professur an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Zu Werk und Aufführung steht er Red und Antwort.

Bach-Chöre und Bach-Ensembles gibt es in der Schweiz viele. Warum haben Sie sich vor 14 Jahren zur Gründung eines Chors entschieden, der sich schwergewichtig der Musik von Bach widmet?

Bernhard Hunziker: Im Allgemeinen, weil trotz Ihrer Aussage meines Erachtens in der Schweiz und (damals) ebenfalls in Zürich Bedarf dafür bestanden hatte, und persönlich, weil mir diese Musik ganz besonders liegt und gefällt. Sie bildete für mich auch im Sängerberuf mein hauptsächliches Repertoire.

Was bedeutet die Matthäus-Passion für Sie persönlich in Ihrem Wirken als Dirigent und Sänger?

Hunziker: Dieses oft als Opus magnum des Komponisten bezeichnete Riesen-Oratorium ist so etwas wie mein Schicksalswerk. Nicht nur liebe ich es wie weniges in der gesamten Klassik-Literatur, sondern diese Matthäus-Passion war wesentlich «schuld» daran, dass ich seinerzeit zum Musikstudium angetrieben worden bin. Eine als Jugendlicher oftmals angehörte Aufnahme dieser Passion hat mich als Kind förmlich «hineingezogen», ganz besonders auch wegen des Evangelisten Ernst Haefliger, meines nachmaligen Gesangslehrers.

Worin besteht die besondere Herausforderung einer Aufführung der Matthäus-Passion?

Hunziker: Ein tragendes Element sind die umfangreichen Partien der Vokalsolisten, die hier besonders gewichtige Bedeutung erlangen. Allen Beteiligten wird grosse Kondition und Konzentration abverlangt, um den Spannungsbogen für die Dauer von nahezu drei Stunden aufrechterhalten zu können.

Die Solopartien übernehmen durchwegs junge Sängerinnen und Sänger, die ihr Gesangsstudium noch nicht oder erst vor kurzer Zeit abgeschlossen haben. Was bewog Sie zu diesem Schritt?

Hunziker: Mit jungen, unvorbelasteten, dadurch vielleicht noch unvoreingenommenen Menschen diese tragenden Partien erarbeiten zu können, stelle ich mir sehr anregend und interessant vor. Es ist womöglich aber auch riskant, das bin ich mir bewusst. Ich freue mich jedoch sehr, diese Herausforderung, die durchaus für beide Seiten lehrreich und Gewinn bringend sein kann, anzunehmen. Jungen Stimmen diese Chance zu geben, ist eine schöne und wichtige Aufgabe für uns ältere Kollegen. Sie sind die Verantwortungsträger der Zukunft, wir haben die Verpflichtung, dieses «Weltkulturerbe» weiterzugeben an jüngere Generationen.

Das BCZ musiziert in der Regel im Grossmünster in Zürich; warum nun zusätzlich noch eine Aufführung in der Baarer Pfarrkirche gleichsam in der «Provinz»?

Hunziker: Zweimal hintereinander an demselben Standort aufzutreten, wäre vermutlich schwierig. Also dann lieber gleich in die Region hinaus gastieren gehen und uns hier einem Publikum vorstellen, das womöglich bis anhin noch nicht auf uns aufmerksam geworden ist. Abgesehen davon kam diese Einladung in die Zentralschweiz von Mitgliedern aus unseren Kreisen zu Stande, der wir nun gerne ein erstes Mal Folge leisten.

Worin besteht das Erlebnis, das die Zuhörer mit der Wiedergabe der Matthäus-Passion vermittelt erhalten?

Hunziker: Eine schwierige Frage! Das gigantische Werk birgt einen derartigen Reichtum an Schönheit in sich, dass empfindsame Menschen jeden Alters und jeder Herkunft unmittelbar davon berührt werden; denken wir nur an eine «Erbarme dich»-Arie. Und für nicht wenige Menschen ist die Kombination dieser Musik mit ihrem zeitlosen, aussagekräftigen Text der wahre Wert dieses Kunstwerks. Dass es hoffentlich für die meisten Anwesenden zu einem Erlebnis werden wird, das wäre mein Wunsch. (Interview Peter Rothenfluh)

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