Südkurier - 3. November 2010

Die Beuroner Konzerte - Laudate Dominum

Konzert beeindruckt die Zuhörer

Bach Collegium Zürich setzen in der Klosterkirche in Beuron kulturellen und religiösen Kontrapunkt

2010-11-03-beuron

Das Bach Collegium Zürich aus der Schweiz sorgte im Rahmen der Beuroner Herbstkonzerte in der Klosterkirche vor zahlreichen Zuhörern für einen eindrucksvollen Konzertabend.

Beuron – Kann jahrhundertealte sakrale Musik die Herzen am Beginn des 21. Jahrhunderts überhaupt noch erreichen oder beeindruckt nur noch die instrumentale oder gesangliche Perfektion der Akteure den Musikfreund von heute? Chor und Orchester des Bach Collegiums Zürich zeigten im Rahmen der Beuroner Herbstkonzerte in der Klosterkirche, dass diese Musik lebt, nicht nur klanglich perfekte Hülle darstellt, sondern eine alte und doch immer neue Botschaft transportiert.

Während sich außerhalb der Klosterkirche viele Menschen auf eine Nacht der Helloweenpartys vorbereiteten und damit der heidnischen Geister- und Gespensternacht huldigten, hatten die Organisatoren der Beuroner Herbstkonzerte einen kulturellen und religiösen Kontrapunkt gesetzt.

Das Mozart-Requiem ist in zweifacher Hinsicht mit dem Tod verbunden. Zum einen, weil ein Requiem eben Trauermusik ist, zum anderen, weil die Komposition in Teilen 1791 in den letzten Lebenswochen Mozarts entstand und nach seinem Tod durch Franz Xaver Süßmayr vollendet werden musste. Die in Latein gesungenen Texte lagen den Zuhörern in ihrer deutschen Übersetzung vor. Tod, Gericht, Sünde, Strafe, Verdammnis sind Vokabeln, die den heutigen Menschen oft fremd sind. Doch die vertonten Gebete enthalten auch den deutlichen Bezug auf einen liebenden und barmherzigen Gott.

Den Ernst dieser Texte bringt das Requiem mit einer musikalischen Strenge zum Ausdruck, die kein Ausweichen in eine wie immer geformte Spaßgesellschaft erlauben. Es geht um die Fragen nach den letzten Dingen, gibt es einen Gott, gibt es ein Leben nach dem Tod und wie wird dieses Leben sein? Die Musik führt in die unbegreifliche Dimension dieses Themas. Allerdings nicht in ein verzweifeltes Dunkel, sondern sie zeigt trotz der Trauer auf den einen hin, der nach christlicher Überzeugung, Tod und Grab überwunden hat, auf das Leben, das den Tod besiegt.

Der zweite Teil des Konzertes scheint nur scheinbar ein thematischer Bruch zu sein. Das Magnifikat in D-Dur, vertont von Johann Sebastian Bach, hat seinen Ursprung im Besuch der schwangeren Maria bei der ebenfalls schwangeren Elisabeth (Lukas 1, 39-56). Die Hinwendung zum Leben, zum entstehenden Leben wurde nicht nur in der hell und an manchen Stellen fast beschwingt gewordenen Musik deutlich. In dem Gebet der Mutter Jesu wird die Allmacht Gottes für alle Zeit und in der gesamten Welt bekundet. Diese Allmacht drückt sich in den Begriffen Liebe, Gerechtigkeit und Freude aus. Dem „Tag des Zorns“ aus dem Requiem stand jetzt das Bekenntnis gegenüber „und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilands“. Der dunklen und schmerzverzerrten Klage über den Tod schloss sich ein wunderschönes Bekenntnis zum Gott des Lebens an.

Eine Spezialität der Orchestermusiker ist die Verwendung von Instrumenten historischer Bauweise, die der Zeit Bachs entspricht.

Südkurier - 03.11.2010

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